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Der Unendliche
Der Unendliche ist ein mysteriöser Mann, über dessen wahre Natur erstaunlich wenig bekannt ist. Weder sein tatsächlicher Name noch seine Herkunft oder seine Zugehörigkeit zu einer bekannten Spezies sind überliefert. Fragen über sich selbst beantwortet er nur selten und weicht ihnen meist mit Gegenfragen aus.
Äußerlich erscheint er wie ein gewöhnlicher Mann mit blasser Haut und schwarzer Kleidung. Für die meisten Menschen und Wesen gibt es zunächst kaum einen Hinweis darauf, welche Macht sich hinter dieser unscheinbaren Erscheinung verbirgt. Schattenfüchse nehmen ihn dagegen vollkommen anders wahr. Durch ihre Schattenwahrnehmung können sie die enorme Macht spüren, die von ihm ausgeht. Seine bloße Anwesenheit kann auf sie erdrückend wirken und löst häufig eine instinktive Mischung aus Furcht und Ehrfurcht aus.
Der Unendliche altert nicht. Wie lange er bereits existiert, ist unbekannt. Ebenso wenig ist bekannt, ob er getötet werden kann. Verwundbar ist er jedoch durchaus. Wird er verletzt, tritt aus seinen Wunden eine pechschwarze Flüssigkeit aus, die seinem Blut entspricht.
Existenz im Schatten
Die Existenz des Unendlichen ist unmittelbar an Schatten gebunden. Er kann ausschließlich dort existieren, wo sich Schatten befindet, und niemals in direkt beleuchtete Bereiche treten. Verschwindet der Schatten, in dem er sich aufhält, verschwindet auch der Unendliche augenblicklich.
Wie groß oder bedeutend ein Schatten ist, spielt dabei offenbar kaum eine Rolle. Selbst am Tag kann er sich beispielsweise unter einem Sonnenschirm oder im Schatten eines Baumes aufhalten. Verändern sich die Lichtverhältnisse ungünstig, kann er seine Position jederzeit wechseln oder vollständig verschwinden.
Diese Bindung stellt eine der wenigen bekannten absoluten Grenzen seiner Existenz dar. Insbesondere direktes Sonnenlicht kann er unter keinen Umständen betreten.
Gleichzeitig ermöglicht ihm seine Verbindung zu den Schatten eine nahezu uneingeschränkte Bewegung. Er kann an einem Ort verschwinden und praktisch augenblicklich aus einem Schatten an einem weit entfernten Ort wieder hervortreten. Eine Reichweitenbegrenzung dieser Form der Fortbewegung ist nicht bekannt.
Dabei ist er in der Lage, andere Personen gegen deren Willen mit sich zu nehmen. Der Übergang kann so schnell erfolgen, dass die betroffene Person den Transport selbst kaum wahrnimmt und sich im nächsten Moment bereits an einem anderen Ort befindet.
Kontrolle über Schatten
Der Unendliche beherrscht Schatten auf einer Ebene, die weit über die Fähigkeiten der Schattenfüchse hinausgeht. Er kann vorhandene Schatten bewegen, verdichten und nach seinem Willen formen. Im Kampf können sie als Barrieren dienen, Gegenstände abfangen oder auf andere Weise unmittelbar auf ihre Umgebung einwirken.
Die Grenzen dieser Kontrolle sind unbekannt.
Besonders außergewöhnlich ist seine Fähigkeit, aus Schatten dauerhaftes, körperlich berührbares Material zu erschaffen. Seine eigene Kleidung besteht zumindest teilweise aus auf diese Weise gewobenen Schatten. Der daraus entstehende Stoff verhält sich weitgehend wie gewöhnliches Gewebe, besitzt jedoch ungewöhnliche Eigenschaften.
Aus Schatten gewobene Kleidung kann beispielsweise selbstständig auf ihren Träger reagieren und ihre Form verändern. Ein Kleidungsstück kann sich nach dem Anlegen an die Körperproportionen seines neuen Trägers anpassen, indem sich der Stoff zusammenzieht, weitet und neu formt, bis er passend sitzt. Diese Eigenschaften bleiben auch dann bestehen, wenn der Unendliche selbst nicht anwesend ist.
Auch seine Wahrnehmung scheint eng mit Schatten verbunden zu sein. Ähnlich wie Schattenfüchse kann er seine Umgebung durch sie wahrnehmen, allerdings offenbar über erheblich größere Entfernungen und mit wesentlich höherer Genauigkeit. Dadurch ist er ein außergewöhnlich aufmerksamer Beobachter und besitzt häufig Kenntnisse über Personen und Ereignisse, deren Herkunft für seine Gesprächspartner kaum nachvollziehbar ist.
Erscheinungen
Wann und warum der Unendliche erscheint, ist nicht vollständig bekannt. Auffällig ist jedoch, dass er häufig Menschen und Wesen in besonders schwierigen oder dunklen Phasen ihres Lebens aufsucht.
Dabei tritt er meist lautlos und ohne erkennbare Ankündigung auf. Ebenso unvermittelt kann er wieder verschwinden.
Der Unendliche greift nur selten unmittelbar in die Probleme der Personen ein, die er aufsucht. Stattdessen beobachtet er, hört zu und stellt Fragen. Auf direkte Fragen antwortet er häufig mit Gegenfragen und lenkt ein Gespräch auf diese Weise immer wieder auf sein Gegenüber zurück. Oft scheint es ihm weniger darum zu gehen, eine Antwort zu geben, als die betreffende Person dazu zu bringen, selbst nach einer zu suchen.
Trotz seiner enormen Macht gilt er nicht als grundlos gewalttätig. Es sind keine Fälle bekannt, in denen er Personen allein aus Willkür angegriffen oder verletzt hätte. Selbst wenn er selbst angegriffen wird, setzt er seine Fähigkeiten nicht zwangsläufig offensiv ein.
Sein Verhalten kann dabei von distanzierter Ruhe bis zu überraschender Freundlichkeit reichen. Verehrung scheint er weder einzufordern noch besonders ernst zu nehmen. Selbst gegenüber Schattenfüchsen, die ihm mit beinahe religiöser Ehrfurcht begegnen, gibt er nur selten etwas über sich preis.
Essen
Eine der auffälligsten Eigenheiten des Unendlichen ist seine Vorliebe für Essen. Bei vielen seiner Erscheinungen ist er während des Gesprächs damit beschäftigt zu essen oder zu trinken.
Dabei bringt er seine Verpflegung üblicherweise nicht selbst mit. Stattdessen bedient er sich ungefragt an den Lebensmitteln der Person, die er gerade aufsucht, oder an denen ihrer Begleiter. Beschwerden darüber scheinen ihn nur wenig zu beeindrucken. Mitunter beschäftigt ihn die Qualität einer Mahlzeit sogar während ansonsten ernster Gespräche.
Obwohl er regelmäßig isst, scheint Nahrung für sein Überleben nicht notwendig zu sein.
Nach seinem Verschwinden bleiben Verpackungen, Geschirr oder andere Überreste seiner Mahlzeit zurück. Diese unscheinbaren Hinterlassenschaften sind daher gelegentlich die einzigen physischen Spuren dafür, dass er überhaupt anwesend war.
Die Überlieferungen der Schattenfüchse
Unter den Schattenfüchsen nimmt der Unendliche eine besondere Stellung ein. Sie können durch ihre Schattenwahrnehmung einen Teil seiner Macht erfassen und erkennen ihn dadurch unabhängig von seinem unscheinbaren Äußeren.
Seine Präsenz wird von ihnen als derart überwältigend wahrgenommen, dass viele Schattenfüchse ihm instinktiv mit Furcht begegnen. Gleichzeitig wird er von einigen beinahe wie eine Gottheit verehrt. Andere versuchen hingegen, ihm möglichst aus dem Weg zu gehen.
„Der Unendliche“ ist lediglich einer von mehreren Titeln, die ihm im Laufe der Zeit gegeben wurden. Sein wirklicher Name ist auch unter den Schattenfüchsen nicht bekannt.
Besonders viele Legenden ranken sich um seine Verbindung zur Entstehung der Schattenfüchse. Einige Überlieferungen behaupten, er habe die ersten Schattenfüchse erschaffen. Andere stellen dieses Verhältnis umgekehrt dar und betrachten die Schattenfüchse als eine Art Vorstufe, während der Unendliche selbst das vollendete Ergebnis derselben unbekannten Entwicklung sei.
Der Unendliche selbst hat keine dieser Vorstellungen bestätigt oder widerlegt.
Ebenso widersprüchlich sind die Erzählungen darüber, warum er bestimmten Personen erscheint. Manche Schattenfüchse sagen, er komme, wenn die Hoffnung eines Menschen zu schwinden beginnt. Andere behaupten, er erscheine erst dann, wenn keinerlei Hoffnung mehr übrig sei.
Eine weitere Überlieferung beschreibt ihn als das, was zurückbleibt, wenn die Hoffnung gegangen ist.
Daneben hält sich die Vorstellung, dass der Unendliche von den tiefsten Schatten im Herzen eines Menschen angezogen werde und deshalb gerade in dessen dunkelsten Stunden auftauche.
Welche dieser Erzählungen der Wahrheit entspricht, ist unbekannt. Der Unendliche selbst scheint keinerlei Interesse daran zu haben, diese Frage zu beantworten.